Adolf Reichwein

Reichwein

Tafel am Eingang der
Adolf-Reichwein-Schule

Wer war Adolf Reichwein?

Auf Vorschlag des Volksbildungsvereins Friedberg erhielt die neu erbaute Volksschule den Namen "Adolf-Reichwein-Schule". Die Namensgebung erfolgte offiziell am 12. Mai 1960; die Festrede hielt der damalige Kultusminister Schütte.

Soviel zur Namensgebung, nun zum Leben und Wirken Adolf Reichweins:

Er wurde am 03.Oktober 1898 in Bad Ems geboren. Der Vater siedelte 1904 mit seiner Familie nach Ober-Rosbach über, wo er bis 1933 als Lehrer, nebenbei als Chorleiter und Organist tätig war.

Adolf Reichwein besuchte nach der Volksschule in Ober-Rosbach ab 1909 die Realschule (spätere Augustinerschule) in Friedberg und ab 1914 die Oberrealschule in Bad Nauheim. Als Kriegsfreiwilliger kehrte er schwer verwundet aus dem Ersten Weltkrieg zurück. 1918 schaffte er als Autodidakt das Abitur und studierte in Marburg und Frankfurt Geschichte, Volkswirtschaft und Philosophie.

Nach einer Weltreise im Jahr 1926 arbeitete er von 1927 bis 1930 als persönlicher Referent des preußischen Kultusministers an der Verbesserung der Lehrerbildung, ehe er als Pädagogik-Professor an die Akademie in Halle berufen wurde. Als unbekannte Nationalsozialisten im Frühjahr 1933 in der Akademie die Hakenkreuzfahne hissten, weigerte er sich die Akademie wieder zu betreten. Er wurde amtsenthoben und trat am 01. Oktober 1933 auf eigenen Wunsch eine Stelle als Lehrer in der einklassigen Landschule in Tiefensee, einem 270-Seelen-Ort in der Mark Brandenburg, rund 40 Kilometer von Berlin entfernt, an. Hier entwickelte Reichwein auf der Grundlage verschiedener reformpädagogischer Ansätze ein Konzept, das praktisches und soziales Lernen mit "Kopf, Herz und Hand" im Sinne Pestalozzis verwirklichte. Es ist das Modell einer humanen und lebendigen Schule, die nicht "Schonraum für Unmündige" sein will, sondern ein spezifischer gesellschaftlicher Lebensraum. (nach: reichwein-forum Nr.2/2003)

Im Mai 1939, inzwischen wieder in Berlin, knüpfte er Verbindungen zu Freunden in den verschiedenen Widerstandsgruppen gegen Hitler. In der Nacht vom 04. zum 05. Juli 1944, also noch vor dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, wurde Adolf Reichwein von einem Spitzel verraten und verhaftet. Am 20. Oktober 1944 wurde ihm im Volksgerichtshof unter dem Vorsitz Freislers ein Schauprozess gemacht, der zum Todesurteil führte.Der mutige Widerstandskämpfer und Antifaschist Adolf Reichwein wurde noch in der gleichen Nacht hingerichtet.
Duda 03.11.03